Nach der Schule (Abschluss mit der Fachhochschulreife) arbeitete ich in einer Fabrik, die sich auf Kabelkonfektion spezialisierte. Diese Tätigkeit diente zur Überbrückung bis zum Ausbildungsbeginn. Diese acht Monate taten mir sehr gut. Mehr oder weniger bin ich zufällig...

...in die Psychiatrie geraten, wie so viele. Damals herrschte nicht gerade ein Mangel, aber doch eine Konkurrenzsituation um Ausbildungsplätze in der Pflege. Die erste Zusage erhielt ich im Vinzenz-von-Paul Hospital in Rottweil, wo ich von April 1990 bis März 1993 meine Ausbildung absolvierte. Ganz kurz arbeitete ich danach auf einer Station für Akutbehandlung.

Nach einem Jahr Erziehungsurlaub (heutzutage heisst das Elternzeit) und Umzug an den See fing ich in einer Ravensburger psychiatrischen Klinik an. Für ein halbes Jahr begleitete ich Patienten beim Entzug (Alkohol, Medikamente und Drogen). Fast mit der Eröffnung der Drogenentzugsstation wechselte ich dann dorthin. Das war nicht so mein Ding, so kapitulierte ich nach neun Monaten. 

Im Herbst 1995 startete ich wohnortnah in einem Wohnheim der Eingliederungshilfe. Das war ein guter Schritt für mich. Drei Jahre später eröffnete der Träger einen ambulanten psychiatrischen Pflegedienst und rekrutierte aus verschiedenen Bereichen Pflegefachkräfte. Im Nachhinein möchte ich sagen, der Wechsel dorthin war ein wesentlicher Schritt für meine berufliche Entwicklung. Im ambulanten psychiatrischen Pflegedienst konnte ich einerseits sehr frei arbeiten und andererseits forderte der Arbeitgeber eine verantwortliche Hand ein. Mit dieser Mischung war Wachstum bei mir möglich. 

Eine erste Weiterbildung zur Leitung im Pflegedienst absolvierte ich berufsbegleitend von 2002 bis 2004. Nicht weit weg folgte eine zweite in ´Sozialpsychiatrische Zusatzqualifikation in systemischer Arbeit´. Sie öffnete entscheidend meinen Horizont. 

Ende 2009 begann für mich eine Zeit des beruflichen Umbruchs. So richtig passte der Anzug nicht mehr. Es war Zeit für etwas Neues. Mit meinem Arbeitgeber fand ich keinen gemeinsamen Nenner. Das, was er mit mir plante, erschien mir nicht das Richtige; und umgekehrt wohl ebenso. Wir trennten uns in 2013 halbfreundlich. Mitte 2013 gründete ich ein Einzelunternehmen. Seither arbeite ich selbständig im Bereich der Alltagsassistenz (kein geschützter Begriff).

Nach fast vier Jahren heuerte eine sehr sympathische Ergotherapeutin bei mir an. So gut wie gleichzeitig konnte ich eine ebenso liebenswürdige Gesundheits- und Krankenpflegerin aus der Rottweiler Zeit für mein Einzelunternehmen gewinnen. Im Sommer 2018 stiess eine nicht weniger sonnige Sozialarbeiterin hinzu. Sie ist nunmehr Zuhause bei ihrem zweiten Kind. Allenfalls, was ich mir sehr wünsche, startet sie wieder durch. Zu Beginn 2019 schnupperte eine herzliche Gesundheits- und Krankenpflegerin in den Bereich. Ich habe den Eindruck, es gefällt ihr sehr gut.  Ich bin sehr froh über diese Entwicklung und gespannt, wohin die Reise weiter geht. 

Mit dem Ausscheiden bei meinem langjährigen Arbeitgeber (immerhin 18 Jahre) setzte ich mit einer Festanstellung in der Schweiz parallel zur Selbständigkeit ein existenzsicherndes Fundament. Von 2013 ab war ich weit über fünf Jahre bei einer Spitexorganisation im Thurgau angestellt. Ich weiss nicht, bin ich nicht unbedingt teamfähig, liegt es am ´Pseudo-Ökonomisierung-Wahn´ der neoliberalen non-profit Organisationen oder engen Rahmenbedingungen und Leitplanken meine Luftzufuhr ein? Die Mischung aus ´Freiheit und Verantwortung´ entwickelte sich zu einer Disbalance für mich. Gott sei Dank erhielt ich nach jahrelangem und zähem Ringen eine wesentliche Zulassung zur Ausübung einer freiberuflichen Pflegetätigkeit in der Schweiz. Diesen Strohhalm ergriff ich und machte mich im Thurgau ebenfalls selbständig. 

Ich kann nicht klagen. Bei all den vollen Tagen, Wochen, Monaten, man mag fast schon sagen Jahren erscheint mir meine Arbeit mehr als erfüllend zu sein. Tauschen möchte ich nicht.