Zur ambulanten Arbeit in der psychiatrischen Pflege wurde eine Studie in 2016 veröffentlicht. Meine Inhalte sehe ich nahe dran an den Ergebnissen der Studie "Aufgaben und Tätigkeiten der Ambulanten Psychiatrischen Pflege" (Weissflog). Die wesentlichen Inhalte liste ich hier auf, wobei ich sie auf mein Verständnis präzisiert habe.  

Beziehungsgestaltung als Grundlage der psychosozialen Unterstützung 

  • individuelle Begleitung ausgerichtet am Bedarf des betroffenen Menschen und dessen Erfahrung zur Förderung der persönlichen Entwicklung
  • Rahmenbedingungen für eine positive Beziehungsgestaltung entwickeln, Gestaltung eines therapeutisch-individuellen Milieus
  • Anerkennung und Wertschätzung leben
  • Aufbau von Vertrauen, Hoffnung und Vertrauen in die eigenen Widerstandskräfte
  • stetiges Aushandeln und Teilen von Sicherheit, Kontrolle, Verantwortung und Kooperation mit dem betroffenen Menschen

Pflegediagnostischer Prozess

  • erheben der Situation (Pflegeanamnese) mit unterschiedlichen Instrumenten: pflegerisches Interview, bestehende Pflegeberichte und Pläne, Interview mit Angehörigen, medizinische Daten, Fremdwahrnehmung der Erscheinungen auf die Umwelt 
  • Analyse: Gliederung der Informationen nach Schwerpunkten, Zusammenhänge zwischen den Schwerpunkten herstellen, Pflegediagnostische Hypothese, Pflegediagnose nach P- (Gesundheitsproblem), E- (Entstehungsbedingungen/Ethologie). S- (Symptome) und R- (Ressourcen) Schema festlegen
  • Erweiterte Pflegeplanung bei Personen mit Demenz: wahrnehmen, identifizieren und interpretieren aller gleichzeitig auftretender Erscheinungen, ihre Häufigkeit und Qualität sowie dem in Betracht ziehen von möglichen Komplikationen
  • Dokumentation: Hilfsbedarf, Ziele und Interventionen

Alltagsfertigkeiten und soziale Kompetenzen 

  • erkennen sozialer Kompetenzen
  • erkennen, fördern, begleiten der Selbstfürsorgefähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten
  • Selbstmanagementkompetenz fördern (zur persönlichen Kontrolle über die eigenen Lebensbedingungen und der Teilnahme an den Aktivitäten mit anderen)
  • unterstützen bei der Entwicklung von Verhaltensoptionen, die den zwischenmenschlichen Kontakt verbessern und die Sicherheit im Gespräch mit anderen Menschen erhöhen
  • unterstützen bei der Umsetzung des Entwickelten in konkretes Verhalten: Unterstützung/Schaffung
  • unterstützen zur Teilhabe in Arbeit und Beschäftigung (Motivation erkennen, herausarbeiten und fördern, Standortgespräch am Arbeitsplatz)
  • unterstützen bei der Erledigung von Lebensvollzügen (z.B. Ernährung, Einkauf, Arztbesuch)

Management akuter psychischer Krisen 

  • erkennen von Krisensituationen
  • Erkrankung und deren Entwicklung wahrnehmen und reflektieren
  • Hilfe beim Begegnen mit fremdwirkenden Gefühlen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen
  • bei Eigen- oder Fremdgefährdung intensive Betreuungs- und Gesprächsangebote
  • stützen der Eigen- und Behandlungsverantwortung des Klienten im Genesungsprozess
  • stärken von Handlungs- und Entscheidungskompetenz sowie der emotionalen Festigkeit
  • unterstützen und ermutigen bei der Umsetzung von Handlungsoptionen
  • erwirken und erschliessen erforderlicher und ergänzender Hilfen

kognitiver Fähigkeiten 

  • erkennen und fördern kognitiver Kompetenzen bezogen auf die Lebensvollzüge
  • begleiten und schaffen von Sicherheit im Alltag bei kognitiven Beeinträchtigungen

Gesundheitsförderung 

  • Gesundheitsressourcen erkennen
  • gesundheitsfördernde Ressourcen stärken und einen bewussten, aktiven Umgang mit Gesundheitsressourcen fördern
  • motivieren zu körperlichen Aktivitäten oder Entspannungstechniken
  • unterstützen bei der Verbesserung von Gesundheitschancen und Stressabbau
  • ermutigen an eigene Stärken zu glauben
  • Suche nach Lebenszufriedenheit begleiten

(Diesen Abschnitt werde ich noch umschreiben.

Unterstützung/Sichern der ärztlichen Behandlung 

Beispiele für Tätigkeiten: Medikationsmanagement (Vergabe gemäß ärztlicher Anordnung, situative Anpassung der Medikation im Rahmen einer erweiterten Bedarfsmedikation in enger Absprache mit dem behandlungsführenden Arzt); Depotinjektionen; Gemeinsame Standortgespräche; Krankenbeobachtung; Interdisziplinärer Austausch)

Fördern der eigenverantwortlichen Handhabe und kritischen Haltung gegenüber Medikamenten 

  • ermutigen zur Eigenverantwortung und Selbstreflexion hinsichtlich Wirkungen und Nebenwirkungen
  • Wirkweise, Wechselwirkungen der verordneten Medikamente herausarbeiten
  • Klientenverantwortung hinsichtlich medikamentöser Therapien reflektieren
  • erkennen der multiplen einschränkenden Faktoren hinsichtlich Einhaltung der medikamentösen Therapieabsprache (Adhärenz) (Motivation und Sinn, Umfeld, kulturelle Aspekte)
  • gemeinsam mit dem Klienten Strategien zur Verbesserung der Adhärenz erarbeiten
  • kritische Haltung gegenüber einer medikamentösen Behandlung
  • Absetzsyndrome betrachten - Nutzen und Gefahren für die individuelle Situation benennen

somatische Begleiterkrankungen 

  • coachen hinsichtlich der Hinzuziehung und Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, Facharzt oder Zahnarzt
  • beraten bei chronischen somatischen Erkrankungen z.B. Diabetes mellitus in enger Zusammenarbeit mit dem fachärztlichen Dienst und der Ernährungsberatung

Zusammenarbeit mit Familienangehörigen/Partnern/anderen Bezugspersonen 

  • Angehörige begleiten
  • gemeinsam mit Angehörigen die Situation erfassen und Lösungen mitentwickeln, sofern der Klient das möchte
  • Familiengespräche wie Runder-Tisch-Gespräche

Aufgabe: Koordination und Vermittlung von Hilfen/Netzwerkbildung 

Beispiele für Tätigkeiten: Psychiatrisch-pflegerisches Management zur Erreichung des Zugangs zum Versorgungssystem einschließlich einer Ressourcenkoordination im psychiatrisch-pflegerischen Bereich; Koordinierte Einbringung von Hilfen; Bedarfsorientierte Unterstützung der Klienten/Patienten hinsichtlich ihrer Interessen und Möglichkeiten; Vermittlung von Hilfsangeboten, sozialpsychiatrische Dienste oder Mahlzeitendienst etc.; Leiten von Helferkonferenzen; Unterstützung und Beratung bei Versorgungsübergängen (z.B. Heimeintritt); Betreuung in die Wege leiten und/oder Unterstützung bei Betreuungsangelegenheiten

Aufgabe: Kooperation mit anderen an der Behandlung beteiligten Professionen und Diensten/Networking 

Beispiele für Tätigkeiten: Vorbereitung und/oder Begleitung zu Arzt, Krankenhaus, Sozialamt, Vormundschaftsämtern, anderen Institutionen; Fallbezogene Zusammenarbeit zwischen einzelnen Institutionen; Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen und Dienstleistern 

Aufgabe: Öffentlichkeitsarbeit 

Beispiele für Tätigkeiten: Darstellung der erbrachten Leistungen in der Öffentlichkeit (Public Relations); Seminare (z.B. Psychoseseminar); Beratung und Unterstützung von Pflegefachpersonen, komplementäre Partner; Referate zu Fachthemen; Fallsupervision in Pflegeteams; Hilfsmöglichkeiten transparent gestalten (Internet); Berufspolitisches Engagement; Mitarbeit in Gremien; Fachübergreifender Austausch; Kollegiale Beratung; Qualitätszirkel 

Aufgabe: Qualitätssicherung 

Beispiele für Tätigkeiten: Pflegevisite; Klientenbefragung; Befragung Kooperationspartner; Supervision